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Nachlese zur Impulsveranstaltung: Chancengleichheit im digitalen Bildungszeitalter

Nachlese zur Impulsveranstaltung: Chancengleichheit im digitalen Bildungszeitalter

Am 06. Juni 2024 hatten wir die Gelegenheit, an einer inspirierenden Impulsveranstaltung der Ectaveo AG in Zusammenarbeit mit dem Präsidenten des NLQK teilzunehmen. Das Thema „Erweiterte berufskundliche Lernmedien im HKB E – Einsetzen von Technologien der digitalen Arbeitswelt“ bot spannende Einblicke in die aktuellen Entwicklungen im Bildungsbereich. Doch während der Veranstaltung kamen mir einige Gedanken, die ich gerne teilen möchte:

In der heutigen HKB E-Ausbildung setzen Lehrpersonen verstärkt auf digitale Technologien, um kaufmännische Aufgaben praxisnah und zukunftsorientiert zu vermitteln. Diese Entwicklung ist zweifellos ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die diese neuen Ansätze mit sich bringen – insbesondere in Bezug auf Chancengleichheit.

🔹 Verwendung digitaler Technologien und KI

Die Möglichkeit, dass Lernende ihre bevorzugten digitalen Werkzeuge und sogar KI-basierte Hilfsmittel nutzen können, fördert Kreativität und Problemlösungsfähigkeit. Doch diese Freiheit bringt auch Herausforderungen mit sich. Nicht alle Lernenden haben Zugang zu denselben technologischen Ressourcen oder teuren KI-Tools. Darüber hinaus nutzen viele Lernende Notebooks, die sie von ihrem Lehrbetrieb gestellt bekommen. Diese Geräte sind oft so konfiguriert, dass sie keine zusätzlichen Programme installieren können, was die Nutzung der notwendigen digitalen Werkzeuge erheblich einschränkt.

🔹 Open Book, Internetzugang und kostspielige Ressourcen während der Prüfung

Die Erlaubnis, während Prüfungen auf alle Unterlagen und das Internet zuzugreifen, sowie der Einsatz kostenintensiver Ressourcen können eine realitätsnahe Arbeitsweise fördern. Dennoch entsteht hier ein Ungleichgewicht: Nicht alle Lernenden haben Zugang zu denselben hochwertigen Informationsquellen oder den finanziellen Mitteln, um kostenpflichtige Tools zu nutzen, was ihre Chancen negativ beeinflussen kann.

🔹 BYOD (Bring Your Own Device)

Dass Lernende ihre eigenen Geräte zur Prüfung mitbringen, scheint praktisch. Doch die damit verbundene Verantwortung, diese Geräte vorzubereiten, kann erhebliche Ungleichheiten schaffen. Unterschiedliche Geräteleistungen und finanzielle Möglichkeiten zur Anschaffung hochwertiger Geräte können die Prüfungsergebnisse beeinflussen und die Chancengleichheit gefährden. Besonders problematisch ist es, wenn Lernende auf firmeninterne Geräte angewiesen sind, die stark eingeschränkt sind, was die Installation von zusätzlichen Programmen betrifft.

⚖️ Die Herausforderungen der Chancengleichheit

Um eine faire und gerechte Lernumgebung zu gewährleisten, sollten wir dringend Massnahmen ergreifen, die Chancengleichheit fördern:

  • Einheitliche Leihgeräte: Die Bereitstellung von einheitlichen Leihgeräten kann sicherstellen, dass alle Lernenden unter denselben technischen Bedingungen arbeiten, unabhängig von ihrer persönlichen Ausstattung oder finanziellen Möglichkeiten.
  • Gleichberechtigter Zugang zu digitalen Ressourcen: Es ist entscheidend, dass alle Lernenden Zugang zu denselben digitalen Werkzeugen und Schulungen haben. Der Einsatz von kostenpflichtigen Technologien und restriktiven Firmen-Notebooks sollte kritisch hinterfragt werden, um sicherzustellen, dass finanzielle Unterschiede und technische Einschränkungen nicht die Lernerfolge beeinflussen.
  • Erweiterter technischer Support: Ein umfassender technischer Support sollte bereitgestellt werden, um auch fortgeschrittene Probleme zu lösen und allen Lernenden bestmögliche Unterstützung zu bieten, unabhängig davon, welche Geräte oder Tools sie nutzen.

💡 Gemeinsam für Chancengleichheit

Ich hoffe sehr, dass bei der Planung der Abschlussprüfungen diese Aspekte ebenfalls berücksichtigt werden. Der freie Einsatz von KI und anderen kostenintensiven Technologien kann zu erheblichen Chancengleichheiten führen, wenn deren Nutzung nicht genau geregelt wird.

Und schliesslich möchte ich eine persönliche Erfahrung teilen: Regelmässig werden in Europa Berufsmeisterschaften organisiert, bei denen Lernende ihre Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis stellen. Aus der Schweiz treten Lehrlinge an, die mit den neuesten und besten Werkzeugen ausgestattet sind. Gleichzeitig nehmen auch Lernende aus anderen Ländern teil, die jedoch oft weniger gut ausgestattet sind. Während ich in der Schweiz in den Zeitungen las, wie erfolgreich die Schweizer Lernenden waren, stiess ich in den ungarischen Zeitungen auf eine ganz andere Perspektive: „Wir hatten keine Chance.“ Die ungarischen Teilnehmer arbeiteten mit Werkzeugen, die deutlich langsamer und weniger präzise waren. Trotz ihres vollen Einsatzes hatten sie einfach keine faire Chance.

Es ist von grösster Bedeutung, diese Herausforderungen anzugehen und Lösungen zu finden, die Chancengleichheit in der digitalen Bildung fördern. Der Einsatz von KI und anderen kostenintensiven Technologien sollte sorgfältig abgewogen werden, ebenso wie die Nutzung von Firmen-Notebooks, um sicherzustellen, dass alle Lernenden unabhängig von ihren individuellen und finanziellen Voraussetzungen die gleichen Möglichkeiten haben, erfolgreich zu sein.

Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, eine gerechte und faire Lernumgebung für alle zu schaffen!

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