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Rückblick: Mahara Hui Schweiz 2026

Am 13. Mai 2026 fand der Mahara Hui Schweiz 2026 online statt. Im Zentrum stand die Frage, wie digitale Portfolioarbeit heute sinnvoll gestaltet werden kann: in Schulen, Hochschulen, Berufsbildung und in einer Prüfungskultur, die sich durch KI verändert.

Der Anlass zeigte deutlich: Mahara ist mehr als eine technische Plattform. Richtig eingesetzt unterstützt Mahara eine Lernkultur, in der Prozesse, Reflexion, Feedback, Kompetenzentwicklung und Eigenleistung sichtbar werden.

Mahara 26.04: mehr Übersicht, bessere Benutzerführung

Penny Leach von Catalyst gab einen Einblick in die neue Version Mahara 26.04. Der Fokus der aktuellen Version liegt stark auf Usability, Look & Feel und einer klareren Benutzerführung.

Die neue Oberfläche wirkt aufgeräumter. Zentrale Funktionen sind schneller erreichbar, die Navigation ist übersichtlicher und wichtige Informationen wie geteilte oder eingereichte Portfolios werden sichtbarer.

Auch Sammlungen lassen sich einfacher bearbeiten, weil die Seitenstruktur während der Bearbeitung besser zugänglich bleibt. Damit wird Portfolioarbeit nicht nur technisch moderner, sondern auch leichter nachvollziehbar.

Ein besonderes Highlight ist die Möglichkeit, Audio- und Videoaufnahmen direkt in Mahara zu erstellen. Damit können Lernende Reflexionen, Erklärungen oder Prozessdokumentationen unmittelbarer in ihr Portfolio einbinden. Für Administrator:innen wurde zudem die Möglichkeit vorgestellt, Benutzerkonten zusammenzuführen.

Die Weiterentwicklung zeigt: Technik soll Reflexion, Sichtbarkeit und Begleitung unterstützen, nicht erschweren.

Portfolioarbeit zwischen Prozess, Produkt und Prüfung

Gisela Prey von der Hochschule München zeigte, wie Portfolioarbeit im Kontext von Prüfungen und Abschlussarbeiten neu gedacht werden kann. Ausgangspunkt war die Frage, wie Hausarbeiten, Bachelorarbeiten oder andere Prüfungsleistungen im KI-Zeitalter gestaltet werden können.

Ihr Beitrag machte deutlich: Es reicht immer weniger, nur ein fertiges Textprodukt zu beurteilen. Wichtiger wird die Frage, wie dieses Produkt entstanden ist.

Mit Mahara können Studierende nicht nur ein Endprodukt abgeben, sondern auch den Arbeitsprozess sichtbar machen. Dazu gehören Quellen, Entscheidungen, verworfene Wege, eingesetzte KI-Werkzeuge, Reflexionen, Feedbackprozesse und Artefakte.

In Verbindung mit einer mündlichen Präsentation oder Verteidigung entsteht ein Prüfungsformat, das Prozess, Produkt und Präsentation zusammenführt. Damit wird Eigenleistung besser nachvollziehbar, gerade dort, wo KI die Erstellung von Endprodukten verändert.

E-Portfolios einführen: Hürden, Hilfen und Beispiele

Romy Hösl von der OTH Amberg-Weiden stellte das Projekt Dreiklang vor. Das Projekt beschäftigte sich mit Theorie, Dokumentation und Kommunikation rund um E-Portfolios. Im Fokus stand die Frage, warum E-Portfolios im deutschsprachigen Raum noch weniger verbreitet sind als in anderen Bildungskontexten und welche Unterstützung es für eine tragfähige Einführung braucht.

Als zentrale Hürden wurden unter anderem Zeitaufwand, unklare Erwartungen, hoher Einarbeitungsaufwand, Usability-Fragen, fehlende Best Practices und fehlender Austausch genannt.

Aus dem Projekt entstand ein Starterkit mit konkreten Unterstützungsangeboten: Checklisten, Tutorials, Web-Based-Trainings, Informationsmaterial, Use Cases und eine Community Map.

Besonders wichtig wurde dabei: Studierende und Lehrende brauchen früh Orientierung, damit E-Portfolioarbeit nicht als zusätzliche technische Aufgabe erlebt wird, sondern als sinnvoller Bestandteil des Lernprozesses.

Reflexion entsteht nicht automatisch. Sie muss eingeführt, begleitet und geübt werden. Deshalb braucht gute Portfolioarbeit klare Strukturen, transparente Erwartungen und wiederkehrende Feedbackmöglichkeiten.

Entscheidungshilfe für den didaktisch sinnvollen Einsatz

Martina Osterrieder und Cordula Schwiderski von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg stellten eine Planungs- und Entscheidungshilfe für E-Portfolios in der Lehre vor. Sie zeigten, dass E-Portfolioarbeit nicht automatisch zu jeder Lehrveranstaltung passt.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht:

Wie bringen wir Mahara in die Lehre?

Sondern:

Welches Lernziel verfolgen wir, welche Prozesse sollen sichtbar werden und passt ein E-Portfolio dafür wirklich?

Wenn am Ende lediglich eine PDF-Datei abgegeben werden soll, ist Mahara möglicherweise nicht das passende System. Wenn jedoch Reflexion, Entwicklung, Feedback, Verknüpfung von Materialien und Kompetenzentwicklung sichtbar werden sollen, kann E-Portfolioarbeit einen deutlichen Mehrwert schaffen.

Damit wurde ein wichtiger Punkt deutlich: Gute Portfolioarbeit beginnt nicht mit Technik, sondern mit einer didaktischen Entscheidung.

SmartEvidence und Kompetenzentwicklung

Ebenfalls diskutiert wurde der Einsatz von SmartEvidence und Kompetenzrastern. Damit können Kompetenzentwicklung, Reflexionen und Lernfortschritte über längere Zeiträume hinweg sichtbar gemacht werden.

Gerade für kompetenzorientierte Bildungsgänge, längerfristige Lernprozesse und Reformvorhaben wie die KV-Reform ist dieser Aspekt zentral. Portfolioarbeit wird dadurch nicht nur zur Sammlung von Arbeiten, sondern zu einem strukturierten Nachweis von Entwicklung.

Berufsbildung: Portfolioarbeit über mehrere Jahre

Aus unserer Begleitung in der Berufsbildung wurde deutlich, wie anspruchsvoll Portfolioarbeit über mehrere Jahre hinweg ist.

Im Kontext der KV-Reform 2023 führen Lernende langfristig Portfolios. Damit stellt sich nicht mehr die Frage, ob Portfolioarbeit stattfindet, sondern mit welchem digitalen Rahmen sie sinnvoll begleitet werden kann.

Der Vergleich zwischen Office 365 und Mahara zeigte: Klassische Abgabeplattformen folgen oft einer Aufgabenlogik. Eine Aufgabe wird gestellt, bearbeitet, abgegeben und bewertet.

Portfolioarbeit braucht jedoch eine andere Struktur. Lernende wählen Arbeiten aus, reflektieren sie, verknüpfen sie miteinander und zeigen ihre Entwicklung über einen längeren Zeitraum.

Genau hier liegt die Stärke von Mahara: Es unterstützt nicht nur digitale Ablage, sondern die Sichtbarkeit von Entwicklung, Reflexion und Kompetenzaufbau.

Austausch und Community

Wir freuen uns besonders über das grosse Interesse und den fachlichen Austausch mit Teilnehmenden aus Hochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Bildungsinstitutionen aus der Schweiz und Deutschland.

Im Teilnehmerfeld waren unter anderem vertreten: FHNW, HSLU, ZHAW, PH Graubünden, PH Bern, Universität Basel, Universität St. Gallen, Hochschule München, Universität Bamberg, SWITCH, educa, ARTISET Bildung, BZ Pflege und weitere Institutionen.

Der Mahara Hui Schweiz hat gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch zu Portfolioarbeit, KI, Prüfungskultur und Kompetenzentwicklung geworden ist.

Gute Portfolioarbeit beginnt nicht bei der Plattform. Sie beginnt bei der Frage, was sichtbar werden soll.

Die nächste Mahara Hui Schweiz ist bereits in Planung. Wir freuen uns auf die Weiterführung der Community im Jahr 2027.

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